Von Dessau nach Tel Aviv | Inter­na­tio­nales Pro­jekt zum Bau­haus-Jubi­läum

Von Dessau nach Tel Aviv | Inter­na­tio­nales Pro­jekt zum Bau­haus-Jubi­läum

Das vier­tä­gige Open Studio „Von Dessau nach Tel Aviv“, das vom 26. bis 29. November 2018 in der Stif­tung Bau­haus Dessau statt­fand,  war erster von zwei Teilen eines gemein­samen For­schungs-, Lehr- und Aus­stel­lungs­vor­ha­bens von sechs Part­nern aus Deutsch­land, Israel und Öster­reich unter dem Titel „SPRING SCHOOL TEL AVIV – 100 Years Bau­haus 1919 – 2019, inter­na­tional rese­arch and design pro­ject on site“. Der zweite Teil wird Anfang März 2019 in Tel Aviv statt­finden.

Was ist Bau­haus-Archi­tektur?

Hinter dem Open Studio stand die Kern­frage: „Was ist Bau­haus-Archi­tektur? Basie­rend auf einer pro­funden, vor Ort am Ori­ginal erwor­benen Kenntnis des Bau­hauses in Dessau und der von seinen Leh­rern – ins­be­son­dere Walter Gro­pius – errich­teten Wohn­häuser sollen die Bauten der Weißen Stadt Tel Aviv stu­diert werden. Im unmit­tel­baren Ver­gleich sollen Über­ein­stim­mungen und Unter­schiede zwi­schen den Des­sauer Ori­gi­nalen und den Tel Aviver Bauten zweier Bau­haus­ab­sol­venten her­aus­ge­ar­beitet werden, um die o.g. Kern­frage beant­worten zu können.

Der Unter­su­chungs­an­satz geht vom Ori­ginal im Sinne von Authen­ti­zität und Inte­grität aus. Dieser kann bei der in Tel Aviv oft­mals unge­störten Befund­lage beson­ders gut stu­diert werden. Die Stu­die­renden sollen durch diese Detail­stu­dien sen­si­bi­li­siert, ihr Blick geschult und ihr Umgang mit denk­mal­ge­schützten Bauten damit durch Rück­sicht auf die Belange der Denk­mal­pflege geprägt werden.

Fol­gende For­schungs­leit­fragen sollen unter­sucht und beant­wortet werden: Wie viel dessen, was am Bau­haus in Dessau gelehrt wurde, konnte in dem anderen Klima in Paläs­tina tat­säch­lich rea­li­siert werden? Woran lassen sich die Über­tra­gungen aus Deutsch­land erkennen? Welche Bau­merk­male sind spe­zi­fisch für Tel Aviv und als solche bei den ori­gi­nalen Bau­haus­bauten in Deutsch­land nicht zu finden? Wie lässt sich der Kon­flikt zwi­schen Denk­mal­pflege und modernen Wohn­an­sprü­chen im Bau­denkmal lösen? Welche Ansätze werden in den ver­schie­denen Hoch­schulen und Uni­ver­si­täten gelehrt?

 

 

Das Bau­haus inha­lieren

Eine Tour durch das Bau­haus­ge­bäude und die Meis­ter­häuser gab einen ersten Ein­druck für die aus vier Uni­ver­si­täten stam­menden Stu­die­renden. Dieser wurde nach­drück­lich ver­tieft durch einen zweiten Rund­gang am fol­genden Vor­mittag mit der zustän­digen Denk­mal­pfle­gerin der Stif­tung Bau­haus Dessau, Monika Mark­graf. Sie erläu­terte an zahl­rei­chen Bau­de­tails die Her­aus­for­de­rungen der Denk­mal­pflege, in den Gebäuden das Nar­rativ des Bau­hauses, die Spuren seiner Nut­zung und seiner wech­sel­vollen Geschichte mit den Ansprü­chen heu­tiger Nut­zung zu einem stim­migen, den Unesco-Anfor­de­rungen nach Authen­ti­zität und Unver­sehrt­heit ent­spre­chenden Ganzen zu ver­binden.

Der Besuch im Bau­for­schungs­ar­chiv ver­deut­lichte den Stu­die­renden die große Ernst­haf­tig­keit und not­wen­dige Detail­ge­nau­ig­keit, die im Umgang mit Welt­kul­tur­erbe in beson­derer Weise erfor­der­lich ist. Sowohl die Bau­haus-Bauten in Dessau als auch die Weiße Stadt Tel Aviv gehören zum Welt­kul­tur­erbe der Unesco.

Am dritten Work­sh­optag folgte die Besich­ti­gung der von Walter Gro­pius geplanten Sied­lung Dessau Törten, deren Erhal­tung ver­gleichbar ist mit den Wohn­bauten in Tel Aviv, denn beide sind seit bald hun­dert Jahren durch­ge­hend bewohnt und von ihren pri­vaten Eigen­tü­mern den eigenen Bedürf­nissen ange­passt worden.

Im Anschluss an die Orts­be­sich­ti­gung wurden den in fünf gemischten Gruppen ein­ge­teilten Stu­die­renden aus Deutsch­land, Israel und Öster­reich Ent­wurfs­auf­gaben zu Törten gestellt. Ziel war es, dass sich die zu Beginn völlig fremden Stu­die­renden durch die gemein­same krea­tive Arbeit zu einer ein­zigen dyna­mi­sche Gruppe ent­wi­ckeln, die sich gemeinsam mit den Fragen des Ent­wurfs und der Denk­mal­pflege aus­ein­an­der­setzt. Die Ent­würfe erreichten binnen eines Tages eine Qua­lität kon­zep­tio­neller Durch­drin­gung und gestal­te­ri­scher Qua­lität, die uns über­wäl­tigte.

Der Work­shop wurde durch zwei Doku­men­tar­filmer der Hoch­schule Mainz, Fach­rich­tung Medi­en­de­sign, begleitet: Frithjof Hein­rich und Moritz Weber. Sie werden durch Prof. Hartmut Jahn, Institut für Medi­en­ge­stal­tung der Hoch­schule Mainz, betreut und erstellen einen Doku­men­tar­film über das Gesamt­pro­jekt.

Sehr dankbar sind wir – 24 Stu­die­rende der Bezalel Aca­demy of Arts and Design, Jeru­salem, der TU Braun­schweig, der Uni­ver­sität Inns­bruck, der Hoch­schule Mainz, die Assis­ten­tinnen Eléna Hinsch und Smadar Okal sowie die betreu­enden Prof. Shmuel Groag, Dr. Katrin Keßler, PD Dr. Ulrich Knu­finke, Prof. Dr. Klaus Tragbar und Prof. Dr. Regina Ste­phan – für die Ein­la­dung nach Dessau durch die Direk­torin der Stif­tung Bau­haus Dessau, Dr. Claudia Perren, und die groß­zü­gige För­de­rung durch das Bun­des­in­stitut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung BBSR, die die Teil­nahme der inter­na­tio­nalen Stu­die­renden – ins­be­son­dere aus Jeru­salem – erst ermög­lichte.

 

Bei­trag SWR Lan­desart

100 Jahre Bau­haus – Blick ins Land

26.01.2019 | 18.15 Uhr | ab Minute 0:00 | ver­fügbar bis: 26.01.2020

Pro­jekt­partner

TU Braun­schweig
Dr. Katrin Keßler

Uni­ver­sität Inns­bruck
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Tragbar

Bezalel Aca­demy of Arts and Design
Prof. Shmuel Groag MSc Arch

Hebrew Uni­ver­sity
Dr. Vla­dimir Levin

Nie­der­säch­si­sches Lan­desamt für Denk­mal­pflege
PD Dr.-Ing. habil. Ulrich Knu­finke

 

Pro­jekt­för­de­rung

Bun­des­mi­nis­te­rium des Inneren, für Bau und Heimat

Lauf­zeit des Pro­jekts

November 2018 – Juli 2019

Betei­ligt